Brief an den Majaita-Leser

27. Oktober 2009 - 4 Antworten

Lieber Leser

Herzlichst bedanke ich mich dafür, dass du auf meinem Blog gelandet bist.

Solltest du dich fragen, warum hier seit längerer Zeit kein neuer Post publiziert wurde, werde ich dir nun die Wahrheit sagen:

Aus dem Majaita-Blog ist eine Kolumne entstanden, die jede Woche Dienstag und Freitag auf Blick.ch erscheint.

Für dich ändert sich nichts – ausser dass du meine Geschichten nicht mehr hier, sondern unter folgendem Link lesen kannst:

http://www.blick.ch/life/maja

Ich freue mich weiterhin über Leserbriefe, Heiratsanträge, kritische Stimmen, Typen die mich Langweilerin schimpfen, Mädels, die sich wieder erkennen oder mir Inputs für Geschichten liefern und Männer, die sich aufgrund meiner Schreibe sicher sind, ich sei underfucked!

P.S 1: Pimp my Klick-Anzahl auf Blick.ch und sorg dafür, dass meine Eltern stolz auf mich sein können.

P.S 2: Ich bin nicht underfucked. Ich bin eben so.

Herzlichst,

Maja

 

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Bittere Tränen und eine Liebeserklärung

18. Oktober 2009 - Eine Antwort

Lieber Samstag

Für mich bist du ein Helden-Tag. Jede Woche kann ich es kaum erwarten, bis du wieder kommst. Gestern habe ich dich besonders genossen und dafür will ich mich bei dir bedanken.

Weil du den Regen mitgebracht hast, musste ich mir nicht mal überlegen, was ich tagsüber tun soll. Du bist eben ein sozialer Samstag und hast mir die Entscheidung abgenommen. Du und ich – wir blieben den ganzen Tag zu Hause und waren Eins.

Du hast mir so viel Zeit geschenkt. Zeit, die ich in sehr wichtige Dinge investierte:

  • Manicure, Pedicure
  • Augenbrauen zupfen
  • Nicht rangehen, wenn das Handy klingelte
  • Beine enthaaren, alles andere natürlich auch
  • Haare dank Superpflege zum wundervollen glänzen bringen
  • Gesichtsmaske machen
  • Haare auf Volumenwickler drehen und dabei so richtig beschissen aussehen

Gegen 16.00 Uhr erreichten wir unseren Höhepunkt mein lieber Freund Samstag. Du und ich – wir sind eben ein Dream-Team.

Du, meine Volumenwickler, meine weisse Gesichtsmaske-Pampe und mein Nagellack sassen vor der Glotze. Ich lackierte meine Zehnägel in dunkelrot. Dank meiner Dreambox, die alle überlebensnotwendigen Serien und Sendungen während der Woche aufnimmt, konnten wir „Popstars“ gucken. Die Kerzen brannten. Der Tee stand auf dem Wohnzimmertisch. Die Kippen natürlich auch. Du magst es Samstag, du rennst nicht mal davon, wenn ich so aussehe, wie ich gestern aussah.

Nun gut. Dann ist es passiert. Diese Coldplay-Performance. Sie liess mir das Blut in den Adern gefrieren. Als geoutete Detlef D! Soost-Gegenerin, liebte ich ihn sogar zwei Minuten lang. Er weinte. Und wir mit ihm. Zumindest ich. Ja, ich schluchzte. Und nein, es war nicht von Vorteil. Die Tränen flossen über meine Gesichtsmaske – was zu schrecklichem Augenbrennen führte. Ich fasste natürlich rein und rieb. Machte alles noch schlimmer. Und wegen der frischlackierten Nägeln konnte ich es nicht mal abwaschen – und stütze mich dann auf dem Sofa ab. Die Gesichtsmaske war nun an meinen Händen, auf den frischlackierten Nägeln und auf dem Sofa verteilt. Dann folgte der eher etwas unmädchenhafte Teil: Ich fluchte. Und ich mache das nicht dezent!

Weisst du lieber Samstag, hätte es genau in dieser Sekunde angefangen zu brennen und das Haus hätte evakuiert werden müssen, hätten wir ein erbärmliches Bild abgegeben.

Trotzdem: Wir meisterten die Situation heroisch. Ganz im Gegensatz zu deinem Nachfolger Sonntag. Der ist prädestiniert ein Arschloch zu sein. Nur schon weil er der Tag vor Montag ist. Und die Läden geschlossen sind. Und mein busenloser A. heute zwar sagte, dass mein Outfit zwar sicher „schön warm und kuschelig isch“, aber weit weg von ich wisse ja schon was. Ja, weiss ich. Sexy, scharf und toll. Aber wer braucht schon Strapsen und High Heels wenn man dich hat Samstag? Du liebst uns eben auch in geringelten Stülpen und Bettsocken vom Dosenbach. (Duo-Pack, hässlich gemustert, grässliche Farbe, CHF 9.90 – SUPER)

You’ve got Mail

13. Oktober 2009 - Leave a Response

Noch sinnloser als ein Leben ohne Hello Kitty wäre ein Leben ohne E-mails. Mails mit geilen Zitaten horte ich in einem eigens dafür erstellten Ordner. Man darf mich mit gutem Gewissen einen E-Mail-Messie nennen.

Diesen Post schenke ich meinen Lieblingszitaten der letzten paar Jahre:

„Natürlich will ich ihn treffen. Am liebsten mit einem Kopfschuss“. (Freundin S.W, nachdem sie eine Mail eines Parship-Typens erhalten hat und ich sie fragte, ob sie ihn treffen wolle.)

„Ich habe eben deinen „Was-weiss-ich-gesehen“. Da ich gerade nicht wusste, ob du ihn heute liebst oder eliminieren willst, wusste ich nicht so recht, ob ich ihn vom Velo schupfen oder nett winken soll.“ (L.)

„Maja, dein Glück ist nur gerade ein Arschloch. Zugegeben: Mit Durchfall.“ (Sandkastenfreundin A.E.)


„Wie heisst der Typ mit dir auf dem Foto schon wieder? Würde mir auch noch ins Höschen passen. Gib dem meine Nummer falls nicht schon du mit ihm schläfst.“ (Freundin S.J)

„Meine einzigen Zärtlichkeiten teile ich mit meiner senilen Katze und die sind erst noch einseitig: ich gebe, sie nimmt…“ (Freundin S.J während einer Liebeskummer-Phase)

„Von einem Iphone zu einem Nokia zu wechseln ist wie von Manolos plötzlich auf Dosenbach umzusteigen…“ (Ich an L., nachdem die Grosszügigkeit herself mir ihr Iphone anbieten wollte)

„Von einem alten, zerkratzten iPhone zu einem nigelnagelneuen Nokia zu wechseln ist also wie von einem Trüffel-Schnäbi zu einem funkensprühenden Gottprügel. Du kriegst mein Trüffel-Schnäbi. Und? Immer noch so gerührt?(L.s Antwort)


„Deine Schuldaten sind so unbeständig wie du mit deinen Liebesschwüren.“ (L.)


„Heute an der Kasse bei H&M bediente mich ein Thaischlitz. Bin ziemlich sicher, dass sie abends bei dir im Haus nackt an der Stange tanzt.“ (L.)


„Obwohl es sinnvoller wäre, Vasella zu heiraten, würde ich viel lieber Andreas Türck einen Blowjob schenken“. (Freundin J.W)

Auch beim anderen Geschlecht gibts Talente.  Hier wird aber auf das Nennen von Quellen verzichtet.

„Dieses Alibigeficke hier geht mir auf den Keks, eine Könnerin muss her!“


„Jaja, du bist kein Man-Eater. Und die mit den Zähnen fletschenden Hunde wollen auch immer nur spielen.“


„Also ich wünsch mir ein nasty Mädchen unter dem Pult, das mir die Zeit bis zum Feierabend verbläst…gibst das?“


„Wems’s du heute kannst besorgen, das … usw. kennst du sicher.“


„P ist ein supertolle Buchstaben. Er steht für Posttraumatisch, Penis, Porno, Pizza, Prince, Penélope, Party, Pimpen, Penner und viele weitere schöne Ps.“


„Ich sagte nicht, du bist schlecht. Ich sagte nur, du kannst nicht deepthroathen“.


„Du sahst kacke aus. Aber ich schaue immer auf die inneren Werte.“


„Was hättest Du denn auf Deinem Roller gemacht? Du wärst auf die Fresse gefallen und ich hätte mich nicht mal abstützen können, da ich meine Hände nicht mehr rechtzeitig von Deinen Brüsten hätte lösen können.“


Übrigens: Ich kann sehr wohl deepthroathen. Ich hab mir jetzt auf youporn schliesslich 187 mal deeptroath-lessons angesehen!


„Mike-ich-lass-mich-klopftherapieren“

10. Oktober 2009 - Eine Antwort

Nachdem ich meine Freundin S. schon seit geraumer Zeit nicht gesehen hatte, trafen wir uns heute im Casablanca.

S. zählt dank ihres neuen Temporär-Jobs plus einen mühsamen Verehrer am Arbeitsplatz. Als sie ihm per E-mail einen Auftrag erteilen musste, antwortete er mit „Defür schuldisch mer es Käffeli“. S. hasst Typen, die schweizerdeutsch mailen. Ich kann das verstehen. Man spricht CH-deutsch, schreibt aber deutsch-deutsch. Alles andere ist unsexy. „Ich han grad welle in Egge chotze„, sagte S. . „Denn han ich denkt, ich machs mal wie en Typ und ignoriers eifach“. Natürlich lauerte er ihr bei der nächsten Gelegenheit beim Selecta-Automaten auf. S. hat das nicht verdient!

„S  Läbe isch mängisch e Bitch! Isch wenigschtens nebscht em Loser en Hero i dim Läbe?“, fragte ich sie.

„Na ja, zu mim Nachbar, wo immer am Feischter wixt,  han ich jetzt en neue Nachbar! Er heisst Mike und irgendwie hät dä öppis – han ich zumindescht denkt!“

„… Lahn mich rate: Und dich massivscht tosche?“

„Klar!“, sagte S. und verdrehte ihre Augen wie nur sie es kann. Noch bevor ich die Geschichte kannte, brach ich in schallendes Gelächter aus. Keine Zweite trifft so viele Psychos wie S.

Sie haben sich im Innenhof getroffen, er quatschte sie an. Das Gespräch sei nett gewesen. Ein Austeigertyp. Etwas schräg! Das habe sie aber spannend gefunden. Und sich bereits gefreut, dass ein potenzieller One Night Stand, eine potenzielle Affäre oder gar der Vater ihrer Kinder gleich im Nachbarshaus wohne.

Zwei Tage später kam S. gegen 22.00 Uhr nach Hause. Leicht beschwipst und hundemüde. Sie traf Mike. Er wollte dringend noch „en Tee im Volkshuus trinke“. S. gab nach.

Zehn Minuten später, sie sassen bereits am Tisch, die Bestellung war aufgegeben, zeigte Mike sein wahres Gesicht. Machoid sass er ihr gegenüber und begann zu erzählen:

„Weisch, ich han vor Jahre mal bsoffe mit eme Mietauto en mega Unfall gmacht und bin denn gflüchted. Mini Kollege händ all gseit, dass das nöd klappt. Aber hey, ich hans gschafft. Bin nie verwütscht worde“.

S. wollte am liebsten ihren Kopf an die Wand hauen.

„Findsch das geil? Ich bin so die Falsch für die Gschicht. Bsoffe autofahre isch s hinterletschte.“

„Hey Baby, ich fahre bsoffe immer no besser als mängs eine nüechtern“.

S. wollte jetzt in ein Zeugenschutzprogramm eintreten.

Fünf Minuten später: „Weisch, ich han mir min Läbtag scho all Droge hindere ghaue, ich han alles usprobiert. Aber easy, jetzt bin ich clean“.

S. sehnte sich nach ihrer Wohnungstüre, die sie hinter sich hätte verriegeln können.

Während ich genüsslich lachend an meiner Zigi zog, sagte S.: „Moment, das sind nonig d Topshots, s beschte chunnt no!“

Mike erzählte ihr, dass er sich „klopftherapieren“ lasse. „Maja, er isch en Eso-Nerd“.  S. zeigt es mir vor, indem sie mit den Fäusten auf ihren Brustkorb schlug.

Nun gut. Wir sind jetzt bei nem Typen, der Fahrerflucht begeht, stolz auf seine Drogenkarriere zurückblickt und sich klopftherapieren lässt. Das alleine ist schon kitschig. Aber S. setzt noch einen drauf:

„Am allermeischte han ich ihn ghasst, wo er mir verzellt hät, dass er siit 20 Jahr d NZZ liest“.  Das alleine fanden wir beide nicht schlimm, aber „Mike-ich-lass-mich-klopftherapieren“ konnte sich folgenden Zusatzspruch nicht verkneiffen: „Aber im Gegezug zu allne andere wo d NZZ läsed, verstahn ich sie au“.

S. ergriff die Flucht. Jetzt hat sie jeweils etwas Schiss, nach Hause zu gehen. Vor dem Haus lauert ihr Mike sehr oft auf. Und hintenraus steht ständig der Masturbationskönig am Fenster und wixt als gäbe es kein Morgen.

S. hat jetzt übrigens einen neuen Job. Und zu Weihnachten schenk ich ihr eine Ganzkopf-Mütze mit zwei Löchern für die Augen. Auf der Stirn werde ich ihr eigenhändig ein „Fuck you Asshole“ reinsticken. Dafür sind Freundinnen schliesslich da.

Handwerker mit Riesen-Hammer

8. Oktober 2009 - 2 Antworten

„Mir müend ihre Balkon-Bode plättle“, sagte mir ein Unbekannter am Telefon. Das war Montag.  Heute habe ich einen geplättelten Balkon und einen Nervenzusammenbruch hinter mir.

Ich mags nicht, wenn sich in meiner Abwesenheit Menschen in meiner Wohnung befinden. Und wenn, dann nur Auserwählte. Die kann ich an einer Hand abzählen. Meine Eltern gehören nicht dazu – geschweige denn irgend ein Fremder, der „dä Balkon-Bode plättle“ will.

Dienstagmorgen musste ich meinen Schlüssel tonnenschweren Herzens hinterlegen – dann ging ich zur Arbeit. Das konzentrieren fiel mir enorm schwer. Im 2-Minuten-Takt plagten mich grauenvolle Gedanken:

 – Der Monteur könnte in M.E.I.N.E.M  Bad stehpinkeln.

– Der Monteur ist ein Grüsel und schnüffelt in meiner Unterwäsche-Schublade.

– Der Monteur macht sich über meine M-Budget Nuss-Schoggi her.

– Der Monteur (und Achtung, jetzt wirds grässlich) masturbiert auf meinem Sofa.

Ja, man darf mich paranoide Trulla schimpfen. Aber ich erinnere mich an einen Film, den ich bei Beate Uhse ausgestellt gesehen hatte: „Der geile Handwerker mit dem Riesen-Hammer“.  Ja – der Gedanke bohrte sich in meinen Kopf-nicht mal Gala, die Bunte oder das Instyle konnten mich ablenken.

Nach einem gefühlten 784-Stunden-Tag setzte ich mich auf meinen Wixer und fuhr so rasch ich konnte in den Coop- am Stauffacher . Da kaufte ich harte Chemie. Desinfektionsmittel, Javel-Wasser ect und fuhr nach Hause.

Was ich da sah, aktivierte mein Tourette-Syndrom. Und zwar in allen Sprachen, denen ich mächtig bin:

– Der Klodeckel war oben!

– Vier Pisse-Tröpfchen-Monster lagen auf meiner sonst-so-königsblauen Klo-Schüssel!

– Der Boden war voller weisser Schuhsohlen-Flecken! (Weisse Flecken finde ich in der Tat oftmals etwas grenzwertig!)

– Meine Badezimmer-Tüechli hingen falsch!

– Die weissen Vorhänge hatten schwarze-Finger-Flecken!

– Die Kissen auf meinem Sofa waren zerknautscht!

Ja, ich wollte auf der Stelle ausziehen und alles da lassen. Und nein, ich wollte nicht mal meine Schuhe ausziehen, geschweige denn etwas anfassen. Also tat ich, was eine Ich tun muss:

Während ich heftig über diesen Loser fluchte, zog ich pinke Gummihandschuhe bis zum Ellbogen über (nein, in Momenten wie diesen denke ich dabei nicht an Rollenspiele), schlüpfte in meine rosa Gummistiefel, band mein Haar aus dem Gesicht, drehte den Sound auf, schrubbte los und nahm die Waschküche in Beschlag. Ich desinfizierste sogar alle Türklinken.

Als ich meine letzte Wäsche aus der Maschine holte, traf ich den Hausabwart im Flur. „Super, dass ich Sie grad gsehn, dä Monteur isch hüt nöd ganz fertig worde, er het morn no es bitzli Arbeit„. Mir stockte der Atem. „Tüend Sie dä Schlüssel eifach wieder hinterlegge“.

Ich lächelte gequält: „Okay“.

Am nächsten Morgen liess ich den Schlüssel nicht zurück. Nahm keine Anrufe mit „Unbekannter Teilnehmer ruft an“ entgegen und den Zettel „Bitte melden Sie sich bei Herr D.“ an meiner Haustüre ignorierte ich heroisch. Sollte ich deswegen in die Hölle kommen, bin ich bereit dazu. Sowieso: Alle fucking Rockstars kommen in die Hölle. Der Himmel ist für Pussys. Und ich bin keine.

Weltallerdümmstes Fick-Inserat

6. Oktober 2009 - 7 Antworten

Beim surfen auf www.ronorp.net fiel mir heute folgendes Inserat besonders auf:

W gesucht für unverbindlichen spass
Wenn ich nur das eine will, dann wär‘ es cool, ich fände eine, die auch nur das Eine kann, doch vielleicht hast Du ja Charakter Persönlichkeit, nen IQ überm Durchschnitt, Tud mir auch Leid (Was?) Das mir das Wurst ist (Blumentopf; das Eine) Ganz so schlimm ist es nicht, aber ich genau das suche ich (180cm 72kg 28J ZH) für gewisse stunden.. also falls du W das auch suchst, schreib mir am besten mit bild

Lieber Unbekannter

Wenn du so vögelst, wie du schreibst, wird spätestens dein übernächstes Inserat auf einer ungarischen Heiratsvermittlungs-Page stehen. Vielleicht auch auf einer russischen. Stern TV (RTL) wird dein Gesicht verpixeln und dich interviewen. Sie werden wissen wollen, wie es ist, eine Frau im Internet gekauft zu haben.

Versteh mich nicht falsch: Der Rechtschreibung bist du zwar nicht mächtig- nein, aber vielleicht bist du ein Mathe-Genie. Das will ich nicht degradieren. Wobei doch – das will ich. Mathematiker sind nach Informatikern die grössten Nerds. Und haben, wenn überhaupt, nur Cyber-Sex.

Aber zurück zu deinem verzerrten Eigenbild: Dank deines Inserates könnten wir alle ein tolles Spiel spielen. Die erweiterte Form von „Finde den Fehler“ – nämlich: „Finde das Wort ohne Fehler“.

Trotzdem; Ich bewundere Menschen, die etwas wagen. Frage mich aber in diesem Fall, ob du keine Freunde hast, die nur ein bisschen ehrlich zu dir sind. Hast du sicher nicht! Sie würden dich nämlich vor dir selber schützen und dir das veröffentlichen solcher Texte verbieten.

Du suchst eine Dame, die nur das Eine kann. Was meinst du damit? Blasen? Wixen? Vögeln? Das wären bereits drei.  Du betonst, dass dir Charakter und IQ egal sind – es aber doch nicht so schlimm sei. Schliesslich suchst du das für gewisse Stunden. Ääähhmm… was nun?

Zusammengefasst: Lieber Mann, lass gut sein. Besuch das Roland-Kino an der Langstrasse. Oder das Walche-Kino beim Central / Nähe HB Zürich. Da gibt’s Wixkabinen für ein paar Stutz. Da musst du vorher keiner ein Cüpli bezahlen und niemand schnallt, dass einer wie du Inserate solcher Art auf Ronorp schalten würde.

Im Namen meiner Geschlechtsgenossinnen

Danke.

Chronik der Supermänner

5. Oktober 2009 - Leave a Response

Sie haben es verdient, aufgezählt zu werden. All jene Stars, in die ich verliebt war.Und es teilweise immer noch bin.

  • Tommy : Der Bruder von Annika und Busenfreund von Pippi Langstrumpf. Kein Zweiter konnte im zarten Alter von zehn Jahren  zwei Mädchen so sensibel und respektvoll behandeln wie er.
  • Jonathan Brandis: Er spielte Bastian in „Die unendliche Geschichte“. Als er mit Fuchur über den Wolken flog, war ich sicher: Das ist er. Der siebte Himmel. Ich wünschte mir so sehr, diesen mit ihm zu erklimmen. Bastian war ein Held. So furchtlos. Und mutig. Ein Mann-Mann und das noch vor seinem ersten feuchten Traum.
  • Lambada-Junge:  Um mich geschah es als ich den Lambada-Clip von Kaoma zum ersten mal sah. Der kleine farbige Junge, der mit dem grösseren Mädchen in der Bar und dann am Strand tanzte, verleitete mich dazu, diesem Tanz höchstdringend ebenfalls mächtig sein zu wollen. Ich verbrachte unzählige Abende in meinem Kinderzimmer und übte und übte. In meinen Mädchenträumen forderte er mich in der Horgner Badi zum Tanz auf – vor all meinen neidischen Klassenkameradinnen.
  • Macaulay Culkin: Als Thomas J. küsste er in „My Girl“ Vada unter einem Baum. Sie wollten wissen, wie sich das anfühlt. Das Bild war so herzzerreissend, dass ich mir jahrelang wünschte, meinen ersten Kuss ebenfalls von Thomas J. zu bekommen. Als er im Film starb, war ich so traurig, dass ich meine Mutter bat, mir eine Entschuldigung für die Schule zu schreiben – ich sei zu traurig um in Mathe aufpassen zu können. (Sie erlaubte natürlich nicht. Spielverderberin!)
  • Barry Watson: Er spielte Matt in „Eine himmlische Familie“ – und verdammt, der Junge war heiss. Und ist es immer noch. Wenn ich krank bin, freue ich mich am meisten auf ihn. ORF1 zeigt nachmittags jeweils eine Folge. Dabei hasse ich jedes Flittchen, das ihn küssen darf.
  • Val Kilmer: Er spielte Iceman in Top Gun. Während alle auf Maverick (Tom Cruise) abgefahren sind, fiel ich auf Icemans Scheissfrisur ein. Diesselbe trug Ivan Drago, den ich ein Arschloch finde, in „Rocky“ . Ich verzieh Iceman und wollte mein erstes Kind von ihm kriegen. Das war das erste mal, dass mich ein muskulöser Körper anturnte – ich war 7!
  • Johnny: Patrick Swayze fand ich nie besonders geil. Aber als Johnny in „Dirty Dancing“ war ich ihm verfallen. Heute noch ist die Schlussszene des Films unter meinen Favoriten gespeichert. Keiner sagt den Satz „Mein Baby gehört zu mir“ so sexy wie er.
  • Pierre Cosso: An der Seite von Vic spielte er Philippe in „La Boum 2“. Ich wünschte mir nichts sehnlicher als einmal in seine tiefblauen Augen zu sehen und durch seine perfekten Locken zu fahren. Alleine deswegen will ich heute noch im nächsten Leben als Vic wiedergeboren werden.
  • Lenny Kravitz: Die Liebesgeschichte von mir und Lenny ist ziemlich dramatisch. Jahrelang war ich verschossen in ihn. Als er endlich ein Konzert in Zürich spielte, kriege ich 15 Pickel – vor Aufregung diesen Supertypen live zu sehen. Wie gross die Enttäuschung war, als ich sah, wie klein der Junge ist, kann ich nicht in Worte fassen. Im Duden würde ich neben „Unproportional“ sein Bild drucken lassen.
  • Michi Beck: Auch bekannt als Dee Jot Hausmarke bei den Fantastischen Vier. Seine Stimme, seine etwas mongoloide Fresse und sein Style-es ist der Mix, der meine Phantasien anregte – und es immer noch tut. Dass er zwischenzeitlich verheiratet ist und ein Kind hat, stimmt mich immer wieder traurig.
  • Stress: Sorry Melanie! Grundsätzlich will ich mich nicht mit dir anlegen und gönn dir diesen Prachtbuben . Ich schwöre ebenfalls, dass ich ihn nicht schön finde. Aber on Stage ist er ein Grosser. Ausserdem kann ich seinen Bewegungen entnehmen, dass er ein Sexgott ist! Verzeih mir!
  • Patrick Dempsey: O.k, ich bin ein Mainstream-Babe. Und es ist mir egal. Als Mc Dreamy in „Greys Anatomy“ gibt er meinen TV-Abenden einen Sinn, einen Wert, eine libidoerweiternde Erfahrung. Mc Dreamy hat alles was ich will: Den Mut zu Sex im Lift!

Es gibt aber auch Männer, in die ich nie verschossen war – und darauf bin ich ganz schön stolz:

  • Boyband-Mitglieder: Ich war weder in einen Buben von den New Kids on the Block, noch in ein Mitglied von Take That verliebt. Nicht mal in die Soft-Rocker von Mr. Big – und das obwohl ich „To be with you“ wochenlang rauf und runter spielte. Vor ca. sechs Monaten traf ich die Jungs von Take That. Danach war ich während drei Stunden in Howard Donald verschossen. Das zählt aber nicht.
  • Leonardo Di Caprio: Was für ein bescheuertes Weichei. Der spielte die Hauptrolle in „Titanic“ – einem Film, den ich nie gesehen habe und mächtig stolz drauf bin. Dieses Miclhbubi sah immer wie ein 8-Jähriger aus. Und tut es immer noch. Jetzt einfach wie ein 8-Jähriger der die Hälfte seines Lebens zu viel gesoffen hat.
  • Johnny Depp: Sein Name ist Programm!
  • Brad Pitt: Ohne Scheiss. Ich war nie länger als  den knappen zwei Stunden von „Fight Club“ into him. Ein Poster hing nie in meinem Kinderzimmer. Nicht mal in der Innenseite der Schranktüre!
  • David Beckham: Spätestens seit ich weiss, was für hässliche Söhne man von dem kriegt, die er dann auch noch mit beschissenen Namen straft, halte ich Beckham für einen ganz grässlichen Loser.

Dauerwellen und Katzenklos in Bülach

4. Oktober 2009 - 2 Antworten

„Ich bruch Stutz“, sagte ich zu L. „Entweder verchauf ich treiti Hösli a irgendwelchi Hösli-Grüsel oder mir fallt öppis anders i“.

L. weiss meist Rat: „Mir zwei gönd an Flohmi – schliesslich häsch du 15 Tonne Klamotte wo du e nüme treisch“.

JACKPOT L.!

Als überzeugte Stadtzürcherin kenne ich nur einen Flohmi – den vor meiner Haustüre: Samstags bei der Kanzlei.

„Nei Maja, mir gönd uf Bülach!“

„WAAAAS?“

„Doch, glaub mir, ich bin scho zwei mal dete gsi und han u viel Stutz gmacht. D Agglos zahled viel mee. Bi dä Kanzlei chunsch nüüt über“, versuchte L. mich zu überzeugen.

Obwohl ich mir sicher war, dass mein Stil weder einer Bülacher-Brigitte, noch einer Bülacher-Doris entsprechen, liess ich mich überzeugen. Und gestern wars soweit.

Warum Flohmis samstags um 7 Uhr beginnen, werde ich nie verstehen. Aber nun gut: L. und ich fuhren um 06.15 los.

Um 06.30 waren wir da – und mit uns 12 587 andere Nerds. Noch nie sah ich so viele schlechte Dauerwellen, Harley-Davidson Jeans-Gilets und Porzellan-Figuren auf einen Schlag.

Wir liessen uns nicht beirren. Heroisch und siegessicher stellten wir unsere Klamotten auf. L. und ich sind sehr verschieden. Während es L. lieber schlicht und qualitativ mag, besitze ich Unmengen an farbigen Sachen mit Prints drauf.  Kleidchen mit Herzchen, Röckli mit Tüpfli ect.

Unsere zwei Stände nebeneinander versprachen also wirklich viel. Gegen 07.00 waren wir ready- ready für das ganz grosse Geld. Da wir in der Stadthalle Bülach waren, war mir das Rauchen untersagt. Holy Shit! Nun gut, dann wollte ich wenigstens einen Kaffe trinken. Zwei Typen, Mittzwanziger in Bülacher Irgendwas-Verein-Pullis, fuhren mit einem Kaffe-Wagen an uns vorbei. Ich bestellte eine grässliche Brühe.

„Wettsch Zucker?“, fragte der Braunhaarige. Ich wollte antworten, als er sagte: „Wahrschinli nöd, bisch ja gnueg süess“. Das war der erste Moment, als ich L. an ihren langen, blonden Haaren reissen wollte und es verfluchte, nicht in meinem stadtzürcherischen Bett zu liegen.

Am Stand hinter uns verkaufte eine ü50-Jährige Katzenklos (!!!), Samichläuse und Fasnachtskostüme für Kinder. Sie trug einen roten Pulli, eine Kurzhaarfrisur und eines dieser Bauchtäschchen. Ihren Busen konnte sie genau da drauf platzieren.

Vor und neben uns wiederholte sich dieses Szenario.

Als Eyecatcher meines Stands entschied ich mich, mein Vanilla Ice – Ice Ice Baby-T-Shirt ganz vorne aufzuhängen. Das musste ziehen.

Denkste!!!! Verrirte sich mal eine Bülacherin an meinen Stand, wollte sie, wenn überhaupt, acht Stutz für beispielweise ein Fornarina-Shirt bezahlen. Olle Idiotinnen! Schnell schnallte ich, dass es nichts bringt, so einer erklären zu wollen, was Fornarina ist und das ein Shirt neu ungefähr hunder Stutz kostet. Also wurde ich zickig! L. amüsierte sich. Ich begann jede potenzielle Käuferin zu hassen. Auch die unter 15-Jährigen,die meine Sache „mega lässig“ fanden. Am liebsten hätte ich ihnen alles aus den Händen gerissen, was sie berührten.

Vor allem Hündelerin No. 84: Sie trug ihren Scheisspudel in einem plüschigen Affendesign-Rucksack vorne auf der Brust. Sie kraulte diesen Köter am Ohr – dann stöberte sie in meinen Kleidern. Mit ihren Hundefingern berührte sie mein Vanilla-Ice Shirt, meinen grünen Pulli mit pinken Sternen drauf, mein schwarz-weisses 50-ties Kleid und wühlte in meiner 5-Stutz Kiste.

Als sie mich fragte, was der Playboy-Pulli kostet, wollte ich mit 784 Millionen Franken antworten. Ich sagte 30 Stutz . Sie verdrehte die Augen: „Ich zahle nie mee als acht Franke für so en Fummel“.

Leck mich doch du Kuh! Obwohl ich als Jugo das handeln im Blut habe, liess ich mich auf keine Deals ein. Der Gedanke, dass so eine Typin in meinen Klamotten in der Bülacher Migros Hunde-oder Katzenfutter kauft, killte mich fast.

L. war toleranter – während sie die Bülacherinnen mit Charme und Freundlichkeit zum Kauf trimmte, sass ich angepisst daneben und las im Beverly Hills 90210-Buch, dass mir L. zur Aufmunterung kaufte. War grad bei beiden Flaute, spielten wir Memory (das L. an irgendeinem Stand kaufte) oder „Stadt, Land Fluss“ mit Themen wie „Porno-Titel“, „Promis, die wir daten wollen“ ect.

Um 15.00 war der gefühlte 72-stündige Albtraum endlich zu Ende.  Vorher aber kaufte ich 2 „Eis am Stil“-Platten und ein wirklich geiles Strassenschild, das jetzt mein Wohnzimmer pimpt – diese Schnäppchen und der Hot Dog für 3.50 waren das Beste an diesem schwarzen Tag.

Fazit 1: Never again! Heute noch kaufe ich mir ein „Cherry“ und ein „Coupé“, schalte Inserate und bereits nächste Woche soll mein gebrauchtes-Hösli-Business florieren.

Fazit 2: Ich werde als Bundesrätin kandidieren. Sobald ich die Macht an mich gerissen habe, werde ich Bülach von der CH-Landeskarte streichen lassen – und mich für die Ausrottung der Pudel stark machen!

Wer bist du?

29. September 2009 - Leave a Response

Leserbriefe lassen mein Herzli jeweils höher schlagen. So auch der heutige von Marco T.* . Marco ist 34 Jahre alt, wohnt in Zürich und  fährt  Tramlinie 2 . Seinen Job will er mir nicht verraten:


Liebe Majaita

Findest du Männer, die deinen Blog lesen und gut finden, Luschen? In diesem Fall wäre ich eine.

Meine Arbeitskollegin hat mir den Link geschickt.  Nun sind wir beide jeweils enttäuscht, wenn wir draufklicken und kein neuer Beitrag online ist.

Natürlich wächst meine männliche Neugier und ich will wissen, was für eine Dame hinter diesen Zeilen steckt. Also erlaube ich mir, dir einige Fragen zu stellen.

1. Wie heisst du richtig?

2. Bist du eine Frau, die sich mit schwulen Männern schmückt?

3. Wie lange bist du schon Single?

4. Wie reagierst du, wenn du einen Korb bekommst?

5. Worüber kann man mit dir ernsthaft sprechen?

6.  Bist du mutig?

7.  Hast du schon mal mit dem Freund einer Freundin / Kollegin/ Bekannten geschlafen?

8. Wo trifft man dich?

Und die letzten beiden interessieren mich am brennendsten:

9. Wie siehst du aus?

10. Darf ich dich auf einen Kaffe einladen?

Ich bin gespannt…

Marco

Lieber Marco

Besten Dank für deine Worte. Sie haben amüsiert. Dafür, dass du mir erlaubst, dir öffentlich zu antworten, erteile ich dir + 125 987 369 Punkte. Du darfst dir jetzt eine Zigi anzünden oder ein Glas Wein gönnen. Natürlich kannst du auch ne Tüte bauen, aber meist kifft man ja mit 34 nicht mehr.

1. Maja „DannvieleBuchstaben“-vic. Natürlich kannst du mir selber einen Namen geben. Nur bitte keine Tiernamen. Davon krieg ich Pickel.

2. Grundsätzlich schmücke ich mit mit Schmuck vom H&M. Oder blauen High Heels mit türkis Sternen drauf.  Mit Schwulen häng ich klar hie und da rum – aber sobald die mehr Mädchen als ich sind oder übers menstruieren sprechen wollen, finde ich sie doof.

3.  Eine scheisslangweilige Frage, aber die Antwort soll dir gegönnt sein: Seit kanpp zwei Jahren. Kannst du mich jetzt charakterisieren? Dann wäre ich gerne eine kaltblütige Bitch!

4. Hier schwanke ich zwischen darüber lachen und mich oder ihn killen wollen. Vodoopuppe pieksen ziehe ich manchmal auch in Betracht.

5.  Willst du jetzt Politik und Wirtschaft lesen? Literatur? Kunst? Armut? Finanzkrise? SOS-Kinderdörfer? Hier stehts.

6. Nicht wenns darum geht von der Kornhausbrücke in die Limmat zu springen. Aber ich besitze ein T-Shirt mit „Masturbating is not a Crime“-Aufdruck. Beantwortet das deine Frage?

7. Hab ich nicht. Tut man nicht. Mädchen-Knigge so was.  Aber ich gebe zu, dass ich stets sehr bedauerte, dass der Freund meiner Ex-Mitbewohnerin in ihrem statt in meinem Zimmer nächtigte.

8. An der Coop-Kasse am Stauffacher. Morgens bei Joey’s im Seefeld beim „Coffe to go“ holen. Bei Regen im Tram No. 2.  Wirst du mir jetzt auflauern?

9. Auf meiner linken Backe habe ich zurzeit zwei, drei Pickel. Auf dem rechten Oberschenkel einen blauen Flecken, der die Form einer Libelle hat. Und mein rechter Mittelfinger-Nagel ist abgebrochen. Du würdest mich unter tausenden von Frauen erkennen.

10. Marco, hast du meinen ParshiT.ch-Post gelesen? Ich finde normale Dates schon ätzend. Geschweige denn die Blinden. Wahrscheinlich würden wir uns innert 0.5 Sekunden hassen. Du sollst wissen, ich bin oft sehr uncool: Ich stehe zum Beispiel auf die „Shame“-Performance von Bahar / Monrose. Würdest du das deinen Freunden verklickern wollen? Eben! Aber vielleicht hast du auch ne Pieps-Stimme. Oder du starrst mir mit Psychoblick auf die Brüste.  Und was bitte soll ich tun, falls du weisse Socken trägst? Oder einen Anzug? Vielleicht bist du auch Mitglied einer Freikirche. Also spar die sieben Stutz für meinen Kaffe und investier sie in die neuste Playboy-Ausgabe. Lohnt sich immer.

P.S: Grüss deine Arbeitskollegin und sag ihr, wenn sie den Link mind. 48753 weiteren Menschen sendet, schenke ich ihr meinen bestaussehendsten Freund. Und der ist scharf.

Herzlichst,

Majaita

* – Name der krassen Ein-Frau-Redaktion bekannt.

Meine outgesourcte Vernunft

27. September 2009 - 3 Antworten

Meine Schwester N. ist vier Jahre älter und  40 Jahre reifer als ich. Sie ist auch der einzige Mensch, der mich innert Sekunden zur Weissglut treiben kann. Manchmal fällt sogar mein Handy zu Boden, wenn sie anruft – dann weiss ich, dass ich Schelte kriege. Von ihr die Leviten gelesen zu bekommen, ist etwa so angenehm, wie einem Kerl sagen zu müssen, dass man einen Scheidenpilz hat.

N. und ich sind grundverschieden.

Sie trinkt  – ich rauche!

Ihre Augen glänzen bei Rolex-Uhren – meine bei „Hello Kitty“-Velohupen.

Sie schreibt keine Facebookstatusmeldungen – ich wechsle meine manchmal im Minutentakt.

Sie isst gerne in der Kronenhalle – ich im New Point.

Sie rülpst nie in der Öffentlichkeit – ich schon.

Sie schaut 10 vor 10 – ich Zueri News.

Sie spielt Golf – ich „Sing Star“ auf der pinken Playstation.

Sie schreibt Diskretion gross – Ich muss es jeweils googeln, wenn ich wissen will, was das wirklich ist.

Sie besitzt weisse Blusen – ich schwarze mit rosa Totenköpfen drauf.

Sie steht auf Jack Bauer – ich auf McDreamy.

Sie schwört auf Fine Food vom Coop – ich auf M-Budget Produkte.

Sie besitzt ein Iphone – ich ein LG, weils so toll pink ist.

Sie nimmt immer die Treppe um in der Limmat zu baden – ich springe von der Dynamobrücke.

Sie kauft Kerzen im Globus – ich im Multi- Pack für fünf Stutz in der IKEA.

Sie hat eine feste Beziehung – ich drei gescheiterte.

Sie kauft Wanderschuhe – ich Gummistiefel.

Sie hört zum putzen  Sade – ich Mariylin Manson feat. Eminem.

Sie lackiert ihre Fussnägel mit „Rouge-Noir“ von Chanel – ich mit dem pinken 2 Stutz Nagellack aus dem Wühlkorb.

Sie hat nicht mal zweite Ohrringlöcher- ich hab hab acht + 3 Tatoos.

Obwohl  sie mir heute noch sagt, dass ich nicht zu Besoffenen ins Auto steigen soll oder meine Steuern bezahlen muss, ist sie die Beste. Denn: Bei Krisen ist sie die Erste, die angerufen wird. Sie ist meine outgesourcte Vernunft. Dank ihr musste ich noch nie ein beschissenes Ratgeberbuch lesen. Denn sie weiss Rat – immer und in jeder Situation. Ausserdem beschütze sie mich immer, wenn mich meine Eltern fast in ein Internat für schwererziehbare Jugendliche stecken wollten. Sie erlaubte mir auch, mir die Nase piercen zu lassen als ich zwölf war. Bei Liebeskummer darf ich mich heute noch auf ihren Schoss legen und dann krault sie mir mit ihren perfekt manikürierten Nägeln stundenlang den Rücken und versichert mir, dass mich sogar Michi Beck lieben würde, wenn er mich kennen würde.

Eigentlich gibts nur zwei Dinge, die sie mir verweigert:

1. Sie würde mir niemals Zigaretten kaufen!

2. Sie schreibt mir nie auf meine Facebookwall! Sie fände das eben so doof!

N: Wenn du mir zu Weihnachten ein Päckli Winston Silber schenkst und mir eine ehrenwürdige Schwesternliebeserklärung auf meine Wall schreibst, werde ich ein Ganzkörperportrait von dir über all meine vier Wände im Wohnzimmer anfertigen lassen. Papas Jugokollege „Mile Moler“ wirds richten.